Freitag, 25. Oktober 2013

Ein Buch in einem Monat

"Wie soll das denn gehen - ein Buch in einem Monat schreiben?" Diese Frage dürfte den Teilnehmern des NaNoWriMo - dem NationalNovelWritingMonth - wohl des öfteren gestellt werden. Ich dachte zu Anfang auch, dass mich da jemand verschaukeln will. Vor allem, wenn man weiß, wieviel Arbeit in einer Publikation mit den angestrebten 50.000 Worten steckt. Nach dem Erstellen eines Manuskripts ist es damit nämlich längst nicht getan, um das Geschriebene zur Druckreife zu führen. Aber darum geht es beim NaNoWriMo nicht zwingend.
Für alle, die mit dem Begriff nicht viel anfangen können: Der NaNoWriMo ist eine Herausforderung, die man sich selbst stellt. Ziel ist es, im Monat November eine Geschichte zu schreiben, die mindestens 50.000 Wörter umfasst - im englischen Sprachgebrauch ist das der Umfang einer "Novel" (zu deutsch: Roman). Dabei geht es nicht darum, ein druckfertiges Werk zu verfassen, auch wenn einem das bei Veröffentlichungswünschen natürlich so einiges leichter macht. Viel entscheidender ist der ursprüngliche Ansatz von NaNoWriMo-Erfinder Chris Baty: Nicht über das Schreiben reden, sondern es tun. Den inneren Lektor beiseite lassen und einfach Worte aufs Papier fließen lassen, ohne diese sogleich zu bewerten.
Wer nämlich alles Geschriebene zuerst an den inneren Pranger stellt und sich während des Schaffensprozesses dauernd mit anderen vergleicht oder zu hart mit sich ins Gericht geht, kann kaum etwas vollenden.

Der zweite wichtige Teil des NaNoWriMo findet neben dem Schreiben her statt - das Vernetzen mit anderen teilnehmenden Autoren, das Kennenlernen und sich-gegenseitig-unterstützen. Kein Kreativer kann auf lange Sicht Einzelkämpfer sein, vor allem nicht, wenn er eine so große Aufgabe wie 50.000 Worte in einem Monat vor sich hat. Deswegen ist es ausdrücklich erwünscht und wird von den NaNoWriMo-Organisatoren durch deren Website-Mechanik, Foren und Community-Treffen unterstützt, dass man sich Mitstreiter sucht und sich gemeinsam motiviert.
Auf dem freien Markt sind Autoren vielleicht Konkurrenten, aber ich denke, wenn man nur noch in marktwirtschaftlichen Begriffen gedanklich unterwegs ist, verliert man schnell den eigentlichen Grund, warum man sich der Schreibtätigkeit widmet: Weil man es gerne tut, weil es zutiefst befriedigend sein kann, wenn man die vielen Gedanken in eine lesbare und interessante Form bringen kann - und weil nichts schöner ist, als eigene Ideen mit anderen zu teilen und beobachten zu können, wie diese darauf reagieren.

Warum ich dieses Jahr dabei bin:
Ich gehöre zu den hyperkritischen Leuten, die schnell mit der eigenen Arbeitsleistung unzufrieden sind, vor allem, wenn es darum geht, echte Herzensprojekte zu schreiben. Mit der Vorgabe "schreib einfach!" an ein solches Projekt zu gehen, ist für mich etwas ganz neues, und genau deswegen habe ich die zu entstehende Story noch nicht wirklich durchgeplant. Ich kenne den Anfang, ich weiss, wohin das Ganze steuern soll, aber das Zwischendrin wird ein Abenteuer sein, auf dem ich meinen Charakteren mit Begeisterung folgen werde. Mal sehen, wohin sie mich führen :)

Was ich schreiben werde:
Meine Erzählung führt die Leser in ein alternatives Europa der viktorianischen Ära. Nach der Entdeckung zweier ausgesprochen gegensätzlichen Elemente hat die technische Entwicklung einen ordentlichen Sprung voran gemacht, doch die zwischen den Nationen schwelenden Konflikte heizen sich natürlich dadurch noch mehr auf. Erschreckende Kreaturen erscheinen in den europäischen Metropolen und versetzen die Menschen in Angst, während Wissenschaftler mit modernen Methoden vergeblich versuchen, der Plage Herr zu werden.
In dieser unsicheren Zeit liegt es an den Helden, die Ursache des Übels zu finden und natürlich zu beseitigen - was nicht leicht werden wird, wenn nebenher eine wahre Hölle auf Erden losbricht.
Genre: Steampunk/Fantasy-Mix

Das Abenteuer kann beginnen - pünktlich am 1. November. Ich hoffe, ihr seid mit dabei, egal, ob als Autoren, Interessierte, Fans oder Unterstützer!
Wer sich über den NaNoWriMo informieren möchte, kann dies auf der offiziellen Website tun - mein Autorenprofil findet sich ebenso dort.

Montag, 5. August 2013

Einfach mal Luft holen, oder: Die böse Rezension

Früher gab es in den Tageszeitungen, gerade gen Wochenende, im Feuilleton Bücherbesprechungen - Glückswiese und Tal der Tränen zugleich für Autoren, die ihre Werke dort besprochen sahen. Doch im Zuge der digitalen Revolution liegt die Besprechungs-Macht nicht mehr alleine bei Journalisten und wohlmeinendem oder verreissendem Fachpublikum.
Heute geben uns die großen Online-Händler die Macht über Wohl und Wehe eines Produkts (dazu zähle ich frecherweise auch Bücher) mittels der Kommentarfunktion in die Hand. Ganz zu schweigen von den vielen begeisterten Buch-Bloggern, die mittels Rezensionsexemplaren inzwischen ohne private Kostenexplosion an begehrten Lesestoff kommen und sich mit einer Buchbesprechung revanchieren.

Heutzutage muss man sich also als Autor mit einer viel größeren Menge an Feedback-Möglichkeiten zum eigenen Werk befassen, die oftmals nicht dem entsprechen, was man sich erwartet hat. Die gefürchtete 1-Sterne-Rezension bei Amazon ist wohl das gewaltigste Damoklesschwert, welches gerade Jungautoren über ihrem Erstling bedrohlich schweben sehen. Hat man sie dann kassiert, gibt es immer wieder Frustmomente. 
Ja, es tut weh, wenn jemand etwas schlechtes oder als gemein empfundenes über das Baby schreibt, das man mit vielen Stunden mühevoller Tipperei geistig in diese Welt gebracht hat. Kritik mag im ersten Moment wirklich niemand.
Ist sie dann noch ein Einzeiler im Tenor "Das Buch XY ist Mist, ich finde, man sollte sowas nicht lesen!" sitzt man als der Kreativschaffende ganz sicher erstmal mit sehr gemischten Gefühlen vor dem Screen. Aber - eine miese Rezension ist kein Weltuntergang. Man kann lernen, mit der Meinungsäußerung unbekannter Menschen klarzukommen und etwas für sich und die eigene Arbeit mitzunehmen.

Ich musste meine Erfahrungen im Umgang mit Kritiken auf die harte Tour lernen - als ich mich mit meinen damals wirklich noch nicht besonders tollen Zeichnungen an das Licht der Öffentlichkeit, sprich, einer großen, internationalen Online-Gallery namens deviantart.com wagte. Bis zu diesem Moment schwebte ich in einer watteweichen Wolke wohlwollender Meinungen meines näheren Umfelds, aber aus diesem Himmel stürzte ich sehr schnell in der Realität zu Boden. Neben den allseits bekannten 'finde ich nicht toll' Meinungen, die mir leider nicht genau sagen wollten, warum ihnen das jeweilige Bild nicht gefiel, gab es auch dediziertere Kritiken. Perspektivefehler wurden bemängelt, die Proportionen waren nicht stimmig, und, und und. Nach einer ganzen Weile blickte ich in meine Gallery und wollte erst einmal gar nichts mehr veröffentlichen. Nie wieder. Alle fanden schließlich meine Sachen schlecht.
Die Kritiken begannen mich zu verfolgen. Selbst vor dem Einschlafen dachte ich darüber nach, warum Mary aus Minnesota meine Bilder so schlecht fand. Oder warum Sören aus Schweden die gezeichneten Personen auf meinen Bildern für so unproportional hielt. Mein damals geliebtes Nur-Hobby zeichnen wurde mir durch diese Meinungen vollkommen vergällt, der Stift blieb eine ganze Zeitlang liegen.

Bis der Lernprozess einsetzte. Ich schaute mir an, von wem welche Kritik gekommen war. Stellte fest, dass Sören aus Schweden selbst zeichnete und seine Zeichnungen von Personen tatsächlich richtige Proportionen besaßen. Dass Mary aus Minnesota in ihrem Profil vor allem Manga-Bilder favorisiert hatte ('Favorites' sind bei DeviantArt das Äquivalent zum Facebook-Like) und deswegen mit meinem europäischen Stil wahrscheinlich grundsätzlich nicht übereinstimmte.
Ich war einen Schritt zurückgetreten, hatte die persönliche Ebene mehr und mehr verlassen und betrachtete die Kritiken sachlicher. Und ich lernte, auf bestimmte Dinge beim zeichnen mehr zu achten. Legte mir Bücher zu, die mir richtige Komposition erklärten - und verbesserte mich. 

Bei Schreibwerk ist es im Grunde nicht viel anders - nur dass man bei einem so offenen Anbieter wie Amazon und Konsorten in der Regel weniger Autoren findet, sondern vor allem Endkunden. Die Leute, mit denen wir Autoren am Ende Geld verdienen wollen. Ihre Ansichten können und sollten wir also nicht ignorieren. Aber man kann sie filtern, um nicht persönlich betroffen zu werden.

Hier meine Tips im Umgang mit Kritiken/Rezensionen im Netz:
  • Persönliche Beleidigungen ausblenden: Wer lesen muss, wie blöd er/sie ist und überhaupt nicht zum Autor taugt, reagiert automatisch. Hier einen Schnellschuss zurückzugeben, ist so ziemlich das Schlechteste, was man machen kann, denn es zeigt dem Kommentierenden, dass man verletzt wurde.
    Ist es eine derbe Beleidigung, sollte man den Kommentar beim jeweiligen Portal melden, damit er entfernt wird. Ansonsten ist es für den eigenen Seelenfrieden defintiv gesünder, das Ganze verblassen zu lassen - denn jemandes Ansichten, der gleich auf die persönliche Ebene geht, kann man in den meisten Fällen auch nicht durch eine Diskussion ändern.
  • Eine Nacht darüber schlafen: Auch wenn man das unbedingte Wollen in sich fühlt, auf eine der eigenen Ansicht nach ungerechtfertigte Kritik sofort zu antworten, tut es bitte nicht. Solange noch das Adrenalin durch die Adern pulst, kommt selten eine gute Reaktion dabei heraus. Ein wenig Abstand mildert das eigene Empfinden, man kann vielleicht schon mögliche Antworten im Geiste durchspielen und tritt hinter die eigene Person etwas zurück. Dem Drang zur Reaktion zu widerstehen ist schwer gelernt, hilft aber ungemein weiter.
    Wenn das Ganze trotzdem innerlich ziept und brennt: Sich einen guten Freund oder eine gute Freundin suchen und auskotzen. Dann ist der gröbste Druck schon weggenommen, man hat sich Luft gemacht - und am anderen Tag sieht es schon anders aus.
  • Genauer Blick auf den Inhalt der Rezension: Klar kann man aus einer Einzeilen-"Rezension" der Marke "Dieses Buch ist Mist!" nicht viel herausholen. Diese Art von Kommentar kommt bei mir in die Rundablage P, sprich: Ich schiebe sie geistig vom Tisch und beachte sie nicht weiter.
    Muss ich allerdings in ausführlicheren Kommentaren mehrfach dieselben bemängelten Dinge wie zB. Rechtschreibung, unlogisches Verhalten des Hauptcharakters oder ähnliches lesen, wäre ein Nachdenken darüber nicht verkehrt. Gerade nicht eingehaltene Formalia wie korrekte Rechtschreibung und Zeichensetzung sind für Vielleser störend und werden gerne angemerkt.
    Blogger-.Rezensionen sind meist noch ausführlicher, wurde man von einem Genre-Blogger rezensiert, hat man vielleicht sogar das Glück, Vergleiche zu anderen Autoren zu erhalten - was diese besser gemacht haben. Bei einer freundlichen Nachfrage an den Blogger (bitte nicht drängen oder beschimpfen!) sind diese oftmals auch bereit, dem Jungautor genauer zu erklären, woran es ihrer Ansicht nach hakte. Vielleicht gewinnt man so auch einen Beta-Leser oder Fan für ein neues Projekt?
  • Wahrscheinlichkeiten im Hinterkopf behalten: Meiner eigenen Erfahrung nach sind sehr, sehr viele Menschen, denen etwas gefällt, stille Konsumenten. Sie mögen ein Buch? Dann wird es gelesen, in den Schrank gepackt und vielleicht auch an Freunde weiterempfohlen. Aber die wenigsten schreiben danach eine positive Rezension oder einen Kommentar. Da fallen dann diejenigen, die eine negative Rezension verfassen, umso mehr auf.
    Ein Beispiel: Nika Lubitschs Krimi "Der 7.Tag" hat sich als eBook über 100 000 Mal verkauft - mit insgesamt etwa 1100 Rezensionen bei Amazon. Das sind gerade mal 1% der Leser! Und hier handelt es sich um einen Bestseller, der wochenlang die Kindle-Charts bei Amazon angeführt hat (mit einem Anteil von knapp 600 5-Sterne-Rezensionen).
    Die 'miesen' 1-Sterne-Rezensionen kommen - irgendwann. Mal früher, mal später. Wenn man sich bewusst macht, dass jeder Autor diesen Moment erlebt, nimmt das dem Ganzen auch die Schärfe. Ein mündig gewordenes Publikum nutzt die Chance des Meinung-Sagens glücklicherweise! Denn ohne diesen Umstand gäbe es auch die 'guten' Rezensionen nicht ...
  • Rezensionen sind nicht alles: Die Kritik hat "Shades of Grey" zerrissen. Viele Buchblogger haben sich über den lahmen Plot, die noch lahmeren dramatis personae und die vielen inneren Göttinen erregt. Verkauft wurde die Trilogie dennoch, und das bombastisch. Es traf einen Nerv der Leserschaft, hier vor allem Frauen, und ging wie warme Semmeln über den Ladentisch. Ist es nicht das, was auch entscheidet?
    Wieviel am Ende beim Autor in finanzieller Form ankommt? Wieviel Freude einem das Schreiben macht, wieviel man für sich daraus ziehen kann, in eine nur von der eigenen Phantasie beschränkte Welt abzutauchen und in dieser Geschichten zu erzählen? Man wird es niemals allen Recht machen können - doch wenn man damit erreicht, was man möchte, hat man doch trotz vermeintlich schlechter Kritik sein Ziel erreicht. Dieses darf man nicht aus den Augen verlieren!
Mich haben meine Kritiker zu einem besseren Zeichner, und auch zu einem besseren Schreiber gemacht. Sie haben mich gelehrt, so einiges nicht mehr an mich herankommen zu lassen und auch Dinge anzunehmen, die, wenn sie ausgesprochen oder ausgeschrieben werden, mir erstmal nicht gefallen. Und daraus zu lernen, ohne mich verbiegen zu müssen!
Lasst euch nicht beirren in eurem Weg, das zu tun, woran euer Herz hängt :)


Mittwoch, 10. Juli 2013

Mögest Du von Luft und Liebe leben, Autor!

Es gibt sie immer wieder, diese Momente, in denen man als Schreiberling, gemeinhin auch gerne als Schriftsteller oder Autor bezeichnet, sich sehr zurückhalten muss, nicht mit den Zähnen ins Keyboard zu beissen. Dieser kurze Augenblick, in dem der Zorn derart heiß hochkocht, dass es ein Segen ist, dem Anderen nur virtuell, nicht in realer Person gegenüberzustehen. Denn an manchen Tagen scheint sich die Welt in zwei Hälften ihrer Bewohner zu teilen:
Denjenigen, die nachvollziehen können, dass man mit seinem kreativen Output seinen Lebensunterhalt bestreiten möchte, und den anderen.

Jene anderen, die einem auch gerne mit der lässig-lockeren Phrase "Wieso, das macht Dir doch Spaß, wieso soll ich dafür etwas bezahlen?" entgegen treten und sich dann sehr wundern, dass man keinerlei Lust mehr hat, auch nur ein müdes Lächeln herauszupressen. Jeder Kunsthandwerker, Zeichner, Schneider, Autor oder sonstwie kreativ Tätige dürfte die Situation zur Genüge kennen. Denn wo auch immer man enthüllt, dass man eine bestimmte Sache beherrscht, finden sich auch andere, die davon am liebsten kostenfrei profitieren möchten.
Selbst Automechaniker erleben derlei für gewöhnlich und müssen ihren Möchtegern-Profiteuren erklären, dass sich vielleicht ihre Arbeitszeit noch aus reinem Freundschaftsdienst mit einem Kasten Bier abgelten lässt, die Kosten der Ersatzteile aber noch lange nicht.

Was ist eigentlich so schwer daran zu verstehen, dass auch eine Arbeit, die Spaß macht, bezahlt werden soll? Als Autor in Self-Publisher-Kreisen offen seinen Wunsch nach angemessener Bezahlung zu bekunden, stößt oft genug auf das mangelnde Verständnis jener, die den Künstler wohl am liebsten entrückt in seiner Dachkammer sehen würden, darbend, einsam, allein dem Kunstschaffen zugeneigt.
Doch der hungernde Künstler ist eines der schlimmsten Bilder, die sich meiner Ansicht nach wie ein mutiertes Zombie-Virus in das Bewußtsein der Allgemeinheit eingefressen hat. Spitzwegs 'armer Poet' mag vielleicht für das romantische Verständnis ein passendes Projektionsbild gewesen sein, doch davon lassen sich Vermieter, Versicherungen und Supermarktverkäufer in der Regel nur wenig beeindrucken.

Wer dauernd nur darüber nachdenken muss, woher er die nächsten Euros für sein Abendessen herbekommt und wie wenig er sich dafür leisten kann und darf, wird sich nicht mit vollem Herzen auf seine Arbeit konzentrieren können.
Nicht umsonst gibt es für viele kreative Schaffensbereiche den beliebten Agenten, der sich darauf konzentriert, Aufträge für seine Künstler heranzuschaffen, damit sich die Künstler auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren dürfen. Es funktioniert nun einmal nicht wie die Werkstatt an der Straßenecke, bei der die Laufkundschaft den öllecken Wagen vorbei bringt. Zumindest mir ist es noch nicht passiert, dass irgendwer an meiner Haustür Sturm geklingelt hätte, um händeringend nach einem Text oder einer Illustration zu verlangen - auch wenn es sicherlich ein sehr interessantes Bild wäre.

Amüsanterweise kommen die Möchtegern-Kostenlos-Abgreifer nicht auf den Gedanken, einer Putzfrau das Recht abzusprechen, für ihre Arbeit bezahlt werden zu wollen. Ich habe auch noch nie gehört, dass jemand zu einer Putzfrau im lockeren Salon-Tenor gesagt hätte, dass sie sich doch im Wohnzimmer eben mal nützlich machen könne, sie hätte schließlich Spaß daran. Und das liegt sicherlich nicht nur daran, dass die beiden Worte 'putzen' und 'Spaß' selten in einem Satz positiv miteinander verknüpft werden.

Warum also kann sich der Ottonormalsterbliche nur schwer vorstellen, dass kreatives Schaffen in egal welcher Form auch Arbeit ist?
Weil er in der Regel keine Ahnung davon hat, wieviel man können muss, um die Tätigkeit erfolgreich über lange Zeit auszuüben. Wieviel Zeit und Geld es kostet, sich auf ein brauchbares, konkurrenzfähiges Level zu bringen. Wieviel Zeit und Geld man investieren muss, um auf der Höhe der Zeit zu bleiben und sein Können fortlaufend zu erweitern. Es mag für Schriftsteller in Deutschland vielleicht keinen klassischen Ausbildungsweg geben, doch die handwerklichen Notwendigkeiten muss man sich dennoch aneignen. Meist über die zeitaufwendige Trial-and-Error-Methode - und auch während dieser Zeit muss der hoffnungsvolle Aspirant von irgend etwas leben. Freigiebiege Ehegatten, Mäzene und sponsorende Eltern fallen leider nicht vom Himmel.

Inzwischen bin ich so weit, dass ich über Anfragen wie 'Kannst Du mir nicht mal meinen Charakter zeichnen?' oder "Darüber könntest Du doch was schreiben, mit meinem Charakter darin, wie wärs?" wirklich nur noch lächle. Irgendwie abgeklärt. Mit dem inneren Ringen, ob ich demjenigen meine allseits beliebten Vergleiche wie "Und morgen gehst Du im Restaurant essen, bezahlst nicht und sagst dem Koch, dass Du es kostenlos willst, weil er seinen Job doch liebt?" an den Kopf werfen soll oder nicht.
Oder ob ich einfach nur weiterlächle und mich mit meiner Arbeitslast entschuldige, die derlei leider nicht zulässt, denn zahlende Kunden hätten Vorrang, und von denen hätte ich derzeit sehr viele.
Damit halse ich mir dann zwar auch halbjährliches Nachfragen nach meiner Arbeitslast mit dem stillen "Vielleicht hat sie ja doch Zeit"-Gedanken im Hinterkopf auf, aber auch dann reicht das Lächeln meist aus.
Denn ich bin stolz darauf, mit meiner Arbeit ein Level erreicht zu haben, bei dem verständige Menschen verstehen, dass ich dafür bezahlt werden will. Und das muss wohl reichen. Ich kann keine Autos reparieren, putze furchtbar, koche auf 'man kanns zuhause gut essen' Niveau und besitze auch sonst eher wenige Fähigkeiten, die mich für andere Jobs qualifizieren würden. Da verlasse ich mich gerne auf Fachpersonal, auf Leute, die wissen, was sie tun. Und bezahle sie klaglos, weil ich ihre Kompetenz anerkenne.